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Donnerstag, 18. April 2013

Sich versorgen in Sankt Augustin – Wie der Aufbruch! es sieht.


Das <Stadtentwicklungskonzept Sankt Augustin 2025> (kurz: STEK 2025) liefert eine Analyse der Stadt für den Zeitpunkt 2005 und eine Zielplanung bis zum Jahr 2025. In der Analyse wird beklagt, das Sankt Augustin eine geringe Kaufkraft-Bindung vor allem “in den höherwertigen Segmenten“ hat, weil ein “entsprechendes Ansiedlungsumfeld und Ambiente“ dazu fehlt. Die Zielplanung ist recht allgemein und deshalb wenig aussagekräftig; sie liefert aber immerhin eine Zielangabe wie folgt: “Ein wesentliches Schlüsselprojekt ist daher die Stärkung des Zentrums, ohne dabei die Notwendigkeit außer acht zu lassen, auch die Entwicklung der Stadtteile voranzutreiben, wo die Nahversorgung z. T. ausbauwürdig ist. […] Aus diesen Aussagen wird deutlich, dass eine neue Balance des Zentrums mit den Stadtteilen gefunden werden muss.“
Analyse fortgeschrieben
Fast die Hälfte des Planungszeitraumes des STEK ist um, und das ist Anlass genug, eine Zwischenbilanz zu ziehen.
Immer klarer sind in den vergangenen Jahren verschiedene Dinge in unser aller Bewusstsein gerückt, die für das Thema Einkaufen / Versorgen von erheblicher Bedeutung sind: Der Anteil der alten Menschen erhöht sich stetig und damit auch langfristig der Anteil der Nicht-Autofahrer. Für die alltäglichen Einkaufsbedürfnisse sind deshalb weniger die wohnungsfernen – nur per Auto zu erreichenden – Einkaufsgelegenheiten entscheidend, sondern die wohnungsnahen, die Nah-Versorger eben, der möglichst zu Fuß erreichbar ist. Für den nicht-täglichen Bedarf wird der wohnungsferne Versorger akzeptiert. 
Zwischenbilanz und Perspektive
In Sankt Augustin sind wir dabei, die eingangs genannte allgemeine Zielplanung zur Realität werden zu lassen. In der dazu notwendigen Bauleitplanung hat der Aufbruch! eine aktive Rolle gespielt und wird dies auch weiterhin tun, weil wir das Konzept <starkes Zentrum plus starke Stadtteile> für genau richtig halten. In Meindorf, lange Zeit ohne Nahversorger, geht ein Einkaufsmarkt der Fertigstellung entgegen. Birlighoven, ebenfalls schon seit Jahren auf die Ansiedlung eines Nahversorgers im lange schon rechtskräftigen B-Plan-Gebiet wartend, kann guter Hoffnung sein, dass er bald realisiert wird. Niederpleis darf sich ebenfalls der Erwartung hingeben, dass noch in 2013 mit dem Bau des Nahversorgungszentrums auf dem Conzen-/Horn-Gelände begonnen wird. Mülldorf hat demnächst die Wahl zwischen dem jetzt schon operierenden Netto-Markt im Engelsgraben und dem in Bälde entstehenden Lidl auf dem Tacke-Areal (sowie etwas später dem neuen real im Huma-Park). Menden und Hangelar waren bisher schon mit Nahversorgern ausgestattet, und die Bewohner von Sankt Augustin Ort können sich wahlweise zum real im Zentrum, zu HIT, Aldi und DM in der Alte Heerstraße oder zum Netto im Pleiser Dreieck oder demnächst Lidl im Tacke-Areal orientieren.
Damit wäre die Nah-Versorgung in den Stadtteilen komplett – Planung ausgeführt.
Der Bebauung des Tacke-Areals ist gerade der Weg geebnet worden. Diesen Weg hat der Aufbruch! auf der politischen Ebene sachlich, kritisch, aber stets auch mit großem Wohlwollen gegenüber dem Investor begleitet und hat an entscheidenden Stellen, als der Prozess stockte, zum Weitermachen gedrängt. Auf dieselbe Weise begleiten wir das Projekt Huma-Neubau, weil es, wie der STEK sagt, ein “Schlüsselprojekt“ ist. Nur mit der erfolgreichen Realisierung des neuen Huma, zusammen mit dem Projekt auf dem Tacke-Areal und der Wiederbelebung der Südarkaden werden wir der Zielplanung aus dem STEK gerecht werden: Schaffung eines vitalen Zentrums mit urbaner Prägung in gedeihlichem Miteinander mit wohl-versorgten Stadtteilen. Damit muss uns auch um die Bindung der Sankt Augustiner Kaufkraft an die Stadt Sankt Augustin auch nicht bange sein.

W. Köhler

Freitag, 31. August 2012

Bürgerinformation zur Nahversorgung Niederpleis

 ... und wie man sie nicht machen sollte

Kaum ist meine urlaubsbedingte Blog-Pause vorüber, muss ich mich schon wieder ärgern! Wegen der von der Stadtverwaltung inszenierten Bürger-Info zum Nahversorgungszentrum Niederpleis. Die Veranstaltung war zum Davon-Laufen, und das nicht nur weil Karl-Heinz Meys in seiner bekannten Volksverführer-Manier gegen das vorgestellte Nahversorgungskonzept, das Einzelhandelsgutachten, das Verkehrsgutachten und überhaupt alles polemisierte. Nein auch weil die Veranstaltung fehlstrukturiert, medial schlecht und sprachlich an den Bürgern vorbei gestaltet war.

Die Ersten verließen die Bürgerinformation zur Nahversorgung Niederpleis ca. 10 Minuten nach Beginn. Die Tapferen stöhnten, die weniger Tapferen gingen nach und nach. Wie kriegt man das so hin? Das Rezept zur Publikumsvertreibung ist einfach und wurde überzeugend demonstriert. Man nehme eine schlechte Audio-Anlage, aus der alles mulmig klingt, eine unlesbare, weil zu kleine Bild-Projektion, lasse die Reihe der Vorträge mit dem Uninteressantesten beginnen und lasse alles mit möglichst viel irritierendem Fach-Chinesisch und ohne Beachtung der Perspektive der Bürgerinnen und Bürger vortragen. Fertig ist das Frust-Event. Wen nimmt es da Wunder, dass die genervten Zuhörer hinter dem Ganzen eine perfide Absicht der Stadtverwaltung vermuten.

Wie hätte es sein sollen? 
Das Verhältnis von Vortragszeit und Diskussions-/Frage-Zeit hätte umgekehrt sein müssen. Die wesentliche Information gehört in reduzierter Form an den Anfang. Präzisieren und Differenzieren kann darauf folgen, wenn es sich auf Grund der Fragen und Diskussionsbeiträge ergibt. Und richtige, aber irritierende Fachausdrücke gehören in Normal-Sprache übersetzt. (Zum Beispiel spricht der Fachmann von "Überbauung", wenn er "Bebauung" meint. Benutzt er aber seinen Fachbegriff, meinen die Zuhörer, die vorhandene Bebauung werde mit einem Überbau versehen.)

Welche Information wäre die wesentliche gewesen?
1. Niederpleis soll wieder eine Nahversorgung im alten Kern bekommen, die wirtschaftlich über viele Jahre bestandsfähig ist. 
2. Der anstehende Investor tritt nicht als Wohltäter, sondern als Wirtschaftsbetrieb auf. Auf Grund seiner großen Erfahrung in dem Metier kann er ein kleines Nahversorgungszentrum, das sich über viele Jahre trägt, nur bauen, wenn es die von ihm kalkulierte Größe hat. 
3. Der Standort ist so interessant und so gut, dass sich auch ein weiteres Einzelhandelsunternehmen (Tengelmann) dafür interessiert, und so gut, dass die DM-Kette dort einen Laden zusätzlich zum DM-Geschäft in der Alte Heerstraße betreiben will. 
4. Die in Niederpleis bestehenden allseits bekannten Verkehrsprobleme werden durch den zusätzlichen Verkehr zum und vom Nahversorger zwar etwas verschärft, aber nicht durch den Nahversorger erzeugt. Die Entstehung des Nahversorgungszentrum bietet den Anlass und liefert die Notwendigkeit, die Verkehrsverhältnisse in Niederpleis zu verbessern.
5. Die durch den Nahversorger erzeugte zusätzliche Verkehrsbelastung beträgt in Spitzenzeiten drei Kfz pro Minute. Die Zahl der Zuliefer-Lkw beträgt 10 bis 12 pro Tag (also 0,5 pro Stunde / 1,0 pro Stunde zur Tageszeit)..
6. Die Verbesserung der neuen Verkehrssituation gegenüber der heutigen kann und soll durch Veränderung der Fahrspuren / Abbiegespuren und koordinierte Ampelschaltungen bzw. durch einen Kreisel an Hauptstraße / Pleistalstraße erreicht werden. 
7. Die Bebauung des Nahversorgungszentrums soll im Einzelnen so und so aussehen; Zu- und Abfahrten gibt es über Schul- und Paul-Gerhardt-Straße, Abfahrt auf die Paul-Gerhardt-Straße nur Richtung Honny; knapp 90 Parkplätze wird es für Beschäftigte und Kunden geben. 
8. Die Verkehrsführung soll zum Schutz der Anlieger der Paul-Gerhardt-Straße so gestaltet werden , dass diese Straße nur von Norden nach Süden zum Anfahren der Läden genutzt werden kann. 9. Der alte zusammen mit dem neuen Verkehrslärm liegt unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte. 10. Die Entlade-Zone der Zuliefer-Lkw wird "eingehaust". Sollte der Lärm dennoch die gesetzlichen Grenzwerte überschreiten, müssen Lärmschutzmaßnahmen ergriffen werden, die nicht zu Lasten der Betroffenen gehen.

Der Verwaltung muss ernsthaft zu einer Fortbildung in Medienkompetenz und Vortragsgestaltung geraten werden - auch wenn das Geld kostet. Denn die Bürgerinnen und Bürger haben es verdient, dass sie ernst genommen, sprich gut und verständlich informiert werden.